Ein Freund von mir hatte seinen neuen Wagen bei mir gelassen, einen Ford Focus 2.0 TDCi. Aus verständlichen Gründen, denn wir hatten sein neues Bauprojekt gefeiert, und der Junge ist richtig gut in seinem Job. Ich weiß es, denn ich bin sein Bruder. Seine Frau hatte ihn am Morgen mit zerzausten Haaren bei mir eingesammelt und er schärfte mir ein, seinen Wagen wohlbehalten bei ihm zu Hause abzuliefern. Das Fahrgeld und Auslagen würde ich natürlich zurückbekommen.
Selbstverständlich. Ich bin lange nicht gefahren – den letzten Wagen, an den ich mich erinnere war ein VW Polo, und das ist so lange her, dass ich die Jahreszahl raten müsste. Und selbst das würde mir schwerfallen.
Wie dem auch sei: An einem frühlingshaften Montagmorgen sah ich das Prachtstück auf dem Hof stehen. Allem neuen Erfindungen begegne ich mit gewissem Vorbehalt, aber als ich den Wagenschlüssel in der Hand hielt, einstieg und beim satten Klicken der Tür fühlte ich mich gleich wohl. Ich wusste nur: er hat 163 PS, Vorderradantrieb, und beschleunigt auf 215 km/h Spitzengeschwindigkeit. Ich beschloss, das lieber nicht
auszureizen, dazu ist die Strecke zwischen Osnabrück und Oldenburg zu urwüchsig und abwechslungsreich.
Die Optik des Wagens ist ansprechend, wenn auch nicht auffallend individualistisch, aber darauf kam es heute nicht mehr an. Im Innenraum sitzend bemerkte ich – der Ford Focus lässt genügend Beinfreiheit und das Raumgefühl für meine Masse, ich bin
einsfünfundsiebzig groß, mehr als ausreichend; allerdings war mir die Vielzahl der Instrumente und Sicherungsysteme dann doch etwas unheimlich. Um das Radio zu finden bzw. zu bedienen musste ich doch eine Weile zwischen zig. Möglichkeiten probieren und suchen. Und das lenkt ab, wenn man an einem
jahrhundertealten naturbelassenen Waldstück vorbeikommt, dass man seit seiner Jugend kennt. Am Abend zuvor hatte mein Bruder ein paar Daten über den Wagen genannt. Ich erinnere mich dunkel an:
stärkster Diesel zurzeit, 2l Hubraum, max. Drehmont 340 Nm. Ich verstehe nicht so viel von technischen Daten, aber sicher ist: der Wagen lässt sich angenehm und früh hochschalten. Er hat eine gute Federabstimmung und das Sechsgang „Power Shift“- Doppelkupplungsgetriebe sorgt für entspanntes Reisen – es wird schon seinen Grund haben, warum er einer der zurzeit meistgekauften Mittelklassewagen ist.
Bei einem kurzen Abstecher zum Dümmer See, der über ein paar Nebenstraßen zu erreichen ist, gab es ein paar unübersichtliche kurvenreiche Streckensituationen, die Aufmerksamkeit erfordert, der Focus meisterte jede Lenkbewegung souverän und erwies sich als agil und spritzig, trotz seiner zunächst konventionell anmutenden Optik. Und obschon ich mehrmals im Leben mit einer Harley Davidson geliebäugelt habe, muss ich sagen – der Wagen gefällt mir.