Vor einigen Jahren erfüllten wir uns den ältesten Kindertraum und Bikertraum überhaupt: Eine Fahrt über die Route 66. Zwei Wochen lang wollten wir mit unseren Bikes einmal quer durch Nordamerika, von Chicago bis Los Angeles auf diesem legendären Highway entlangfahren, das viel beschriebene unendliche Gefühl der Freiheit genießen, in schäbigen Motels übernachten, Indianern und wilden Tieren begegnen, um irgendwann in L.A. „The American Way of Life“ zu genießen.
Aus dem Internet und einigen Reiseführern hatten wir uns vorher gut informiert, was es an der Route 66 alles zu sehen gibt, wo man gut essen und günstig übernachten kann. Und so flogen wir mit unseren Maschinen nach Chicago, den Ort, an dem der große Highway beginnt. Aber wahrscheinlich hatten wir von den vielen Geschichten und Mythen über die „Mother Road“ ganz falsche Erwartungen. Die Straße schlängelte sich nicht – wie in vielen Filmen zwischen einsamen Landschaften dahin, sondern war teilweise 4spurig ausgebaut mit mehr Verkehr als in der berliner Rushhour. Nichts mit großer Freiheit, Einsamkeit und Abenteuer. Überall Kommerz, Souvenirläden und Polizeikontrollen.
Am meisten waren wir jedoch von den Motels enttäuscht, die für unseren Geschmack viel zu sauber und ordentlich waren. Nirgends flackerte die Leuchtreklame oder quietschen Fensterläden im Nachtwind und nur einmal fanden wir ein Motel, in dem die Einrichtung noch aus den 50er Jahren zu stammen schien. Die meisten waren zwar einfach, aber sehr komfortabel eingerichtet, manche hatten sogar Plissees anstatt der klassischen Jalousien oder Gardinen an den Fenstern. Die Motelbesitzer waren auch relativ freundlich und versuchten nicht einmal, uns übers Ohr zu hauen. Nicht mal ein Moskito kam durch die Fliegengitter ins Zimmer, um uns die Nachtruhe zu versüßen.
Alles in allem: für einen echten Biker lohnt es sich nicht mehr, die Route 66 zu fahren, ist alles viel zu sauber und zu zivilisiert. Auch die vielen anderen Biker, die wir unterwegs getroffen haben, hatten was anderes erwartet: irgendwas Magisches und völlig Abgefahrenes. Aber so können wir jedenfalls sagen: Wir waren dort.
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